Sonntag, 31. Juli 2011

Relevanz + Qualität + Nächstenliebe | Gedanken nach einem „Sabbatjahr im kirchlichen Ehrenamt“

Prolog

Aufgrund einer biographischen Entscheidung meinerseits wagte ich mich am 01. August 2010 auf ein „Sabbatjahr im kirchlichen Ehrenamt“. Das schwarze Loch des Ehrenamts sog mich immer mehr in sich hinein. Ob das bewusst und unterbewusst geschah, lässt sich rückblickend nur noch sehr schwer rekonstruieren. Nur soviel: Die "Arbeit" fiel an und musste damals gemacht werden und oft war ich es, der diese erledigte und die Nachfrage nach meiner Art, die Sachen - zum Teil kostenneutral - anzupacken, stieg stetig.

Knackpunkt für mich war der Abschluss meiner Ausbildung als Prädikant. Von mir liturgisch vorbereitet und mit-gestaltete Gottesdienste erfuhren positive Resonanz - mich erstaunte das Feedback und die Wirkung. Es sollte auch hier bitte schön mehr werden - ehrenamtlich!?

Für viele Arbeitsgebiete in der „Struktur“ Kirche gibt es bezahlte Arbeitskräfte, die Leistungen erbringen sollen, die weit über dem in der Ausbildung erlernten Fähigkeiten stehen. „Schuster bleib bei Deinen Leisten“ - fällt mir als Sprichwort ein. Tue das, was Du gelernt hast; beschränke Dich auf die Dinge, die Du schon immer gemacht hast und mit denen Du Dich auskennst. Nun hat der „Schuster“ (mir ist leider keine weibliche Bezeichnung bekannt) sich auch noch um Haushaltspläne, der Versammlungsstättenverordnung, Vertragsrecht und/ oder Öffentlichkeitsarbeit zu kümmern. Er versucht, scheitert und sammelt kleine Erfolgserlebnisse - plus: da ist ja noch seine eigentliche Arbeit als Seelsorger(in), Pfarrer(in) oder Gemeindediakon(in).

Ich habe einige wenige Kenntnisse vom „Schustern“, bin allerdings in anderen Dingen ausgebildet bzw. bringe berufliche Erfahrung mit. Aber: Es war bis heute kein hauptamtlicher Platz frei in der „Struktur“ Kirche für einen in seinem Arbeitsgebiet professionell handelnden Produzenten wie mich. Die Flexibilität der „Struktur“ war - Stand damals - gleich null und wurde immer mit Budgetmangel begründet: „Es ist kein Geld da!“

Schuster, Schreiner und Bibliothekare blieben im Amt und kassierten ihren Lohn inkl. Qualitätsansprüchen von gestern. Beispiel Öffentlichkeitsarbeit: Bitte auf analogem Papier, als verstaubter Schaukasten und mit Webaktivitäten auf Sparflamme. Die Qualitätsansprüche konnte man den Hauptamtlichen nicht vorwerfen, da a) der Wunsch der kirchlichen Gremien Berücksichtigung fand und b) alle „Schuster“ eigentlich für etwas anderes ausgebildet wurden.

Meine innere Konfliktlinie verlief wie folgt: Ich sollte doch bitte weiter machen mit meiner qualitativ hochwertigen und "preiswerten" Arbeit, bezahlte Arbeitskräfte so entlasten und mich in Demut bemühen. Das damalige Pensum war enorm und bot wenig Zeitkorridore, um bezahlter Arbeit nachgehen zu können. Somit zog ich im vergangenen Jahr die Reißleine!

Relevanz

Das Sabbatjahr begann. All mein ehrenamtliches Engagement wollte ich für genau ein Jahr ruhen lassen - Ende Januar 2011 trat ich vorzeitig von allen Ehrenämtern (Bezirkskirchenrat, Bezirkssynode u.a.) zurück. Meinen Gottesdienstbesuch wollte ich einschränken und so mir terminliche Freiheit verordnen. Selbstbestimmte Freiheit, an die ich mich erst wieder gewöhnen musste.

In den ersten Wochen machte ich eine außergewöhnliche Erfahrung: Niemand aus der Gemeinde suchte den aktiven Kontakt. Das Gleichnis vom „verlorenen Schaf“, das vom Hirten gesucht wurde, ging nicht Erfüllung. Auch mein Telefon, das vor dem Sabbatjahr verwendet wurde, um mich um die Erledigung des einen oder anderen Jobs zu bitten, blieb still. Geriet ich in Vergessenheit? The show must go on? Ulli ist zu teuer? Ersetzbar? Diese Gedanken beschäftigten mich damals und zum Teil auch noch heute.

Durch meinen Vater erfuhr ich, dass sich mit der Zeit einige nach mir erkundigten. Aber nicht bei mir auf direktem Weg, sondern über mehrere Ecken. Es geisterte sogar das Gerücht durch Weinheim, ich wäre aus der Kirche ausgetreten...

Sind wir als „Kirche“ zu sehr mit der Synchronisierung unserer Terminkalender beschäftigt? Beschränken wir unser christliches Wirken zu sehr in Gottesdiensten, Gremien, Gruppen und Kreisen? Wann haben wir einmal Zeit für uns und wann Zeit für Andere? Andere, die uns „außerhalb“ unserer Kalender begegnen?

Durch den direkten Nicht-Kontakt verschwand für mich die Relevanz von „Kirche“ immer mehr aus meinem Alltag - aber nicht die Relevanz von Gott. Durch meine beruflichen Aktivitäten als „Schäfchen“ unter „Sehr-Kirchenfernen“ und Atheisten war mir mein Glaube eine Stütze und ein Halt. Ich hatte auf einmal Zeit, mich diesen „Anderen“ sehr intensiv widmen zu können. Das waren zum Teil sehr schöne und auch mal schmerzhafte Erfahrungen. Aber sie waren nötig - für mich und für mein Gegenüber.

Qualität

Ende Oktober 2010 meldete sich die Gemeinde bei mir mit einer Einladung zum Mitarbeiterfest. Zum Mitarbeiterfest werden alle ehrenamtlich Aktiven eingeladen und sich auf diesem Wege für deren Engagement bedankt. Eine Art institutionalisierte Anerkennung, einmal pro Jahr!

Die Nicht-Qualität der Einladung schockierte mich: Die Straße war auf dem Kuvert durchgestrichen und mit Hand ergänzt und aus „Lieber Ulli“ in der Anrede wurde im Brief ein „Sie“. Die Einladung hatte eine Funktion zu erfüllen, aber persönliche Wahrnehmung des Anderen sah für mich anders aus. Es war z.B. bekannt, dass ich keinen Alkohol trinke. Mich auf das Programmangebot „Weinprobe“ hinzuweisen, motivierte mich, der Veranstaltung schlussendlich fernzubleiben.

Ein kurze Exkursion in meine Lebenswelt: Durch facebook, twitter & Co. sind alle dort online Aktiven in Beziehungsnetzwerken verwoben. Das Interesse für den/ die Gegenüber steht über allem. Man zeigt seine Bereitschaft, eine Beziehung zum Gegenüber aufzubauen. Dies beinhaltet u.a. aktives Zuhören und ein aktives Interesse für den/ die Gegenüber. Die Zeit vom 01. August bis Ende Oktober 2010 war zwischen der „Struktur“ Kirche und mir geprägt vom gegenseitigen Ignorieren und dem gegenseitigen Nicht-Interesse. Somit kam die Einladung zum Mitarbeiterfest in dieser Form für mich sehr unwillkommen - auch wenn sie gut gemeint war. Aber die Beziehung hatte in der ersten Phase des Sabbatjahres stark gelitten und konnte für mich nicht durch ein „Fest“ gekittet werden.

Warum war das so? Ich fing an, mich mit diesem Umstand zu beschäftigen.

Nächstenliebe

Das heutige Zwischenfazit meiner Überlegungen: Wir benötigen eine neue Qualität der Definition unserer Beziehungen, der gegenseitigen Anerkennung - und somit der Nächstenliebe. Das betrifft uns Alle in der gesamten badischen Landeskirche. Wir dürfen gerne am Geld sparen, aber nicht an Nächstenliebe. Das wäre nicht mit dem Kern von Kirche vereinbar. Niemand ist ersetzbar und sollte mit diesem Gefühl abends ins Bett gehen müssen.

Was ist zu tun?

Wir erneuern das Gemeinsame und unterbinden das strukturell gepflegte Verschanzen in von Terminkalendern bestimmten „Ghettos“ (Gottesdiensten, Gremien, Gruppen etc.).

Wir erlernen wieder das Zuhören und Helfen. In den Gesprächen präsent sein ‐ und nicht geistig abwesend ‐ wird hier ein Schlüssel sein. So wie es Christus in seinem Wirken vorgemacht hat: Jesus ging auf Leute zu oder besuchte sie in ihrem Haus und kümmerte sich um Menschen, die zu ihm kamen, zu ihm gebracht wurden oder auf seinem Weg auf ihn warteten - selbstlos und unvoreingenommen.

Wir überprüfen die Fülle an Terminen, die unsere Kalender verstopfen und finden Qualitätskriterien für die Termine, die wir ausmachen oder dann auch einmal ausfallen lassen können. So entstehen terminliche Lücken, die wir unseren „Nächsten“ schenken können.

Dankender Weise wurde ich vom „Zentrum für Kommunikation“ des Evangelischen Oberkirchenrats in Karlsruhe mit dem Aufbau der landeskirchlichen facebook-Seite betraut und versuche seitdem, diesen neuen Geist häppchenweise via facebook unter‘s Volk zu bringen. Facebook bietet sich als Plattform hervorragend an, diese neue Kultur des Miteinanders einzuüben und pflegen. Wir sind allerdings erst am Anfang...

Epilog

Vielleicht ist das mein Platz in der „Struktur“: Ich begegne allen Schustern, Schreinern und Bibliothekaren als „Schäfchen“. Ein „Schäfchen", das für Chancen des Zeitgeistes wirbt und Freiräume findet, die es den „Hauptamtlichen“ ermöglicht, ihren eigentlichen „Job“ auszuüben?

P.S. Allerdings auf Rechnung! Deren jeweilige Höhe sich an der Rechtsverordnung über die Zahlung von Honoraren im Bereich der Evangelischen Landeskirche in Baden orientiert.

Montag, 25. Juli 2011

Zeitalter des Netzwerken - Das Miteinander steht im Vordergrund der neuen Medienwelt

Sie sind mit Papier in Form von Flyern und Zeitungen aufgewachsen? Das Fernsehen hatte maximal drei Programme zur Auswahl? Dann bitte weiterlesen.

Ich habe eine ganz große Bitte: Imitieren Sie nicht mehr die jahrzehntelang gewohnte Medienbenutzung nach der Einführung eines jeden neuen Mediums. Die eigene Medienbenutzung sollte sich den neuen medialen Gegebenheiten anpassen. Das Verlinken der Pressemitteilung bei facebook wäre eine solche Imitation - es kommt ja schließlich auch nicht die Tageszeitung per FAX auf Ihren Frühstückstisch. Bitte keinen alten Wein in neuen Schläuchen, sondern neuer Wein in neuen Schläuchen!

Während Sie jetzt darüber nachdenken, ob Sie sich auf das Neue einlassen, dreht sich die Medienwelt einige Male um die Sonne - in die andere Richtung als die Ihnen vertraute. Also ganz schnell den Kopf aus dem Sand, die eigene Einstellung einer Metamorphose unterziehen und die Potenziale der neuen Medienwelt für sich und seine Anliegen nutzen.

Vorab eine schlechte Nachrichten für geborene Einzelkämpfer. Einzelkämpfer gehören der Ära der "biografischen Unfälle" - Quelle: Prof. Dr. Peter Kurse - an und sterben aus. Geniale Individuen werden es im Zeitalter des Netzwerkens sehr schwer haben, sich Gehör zu verschaffen.

Die gute Nachricht: Das "Schlecht-über-Andere-reden" ist vorbei. Die große Internetgemeinde hilft einander aus und steht einander bei. Die Hackordnung verschwindet. Grenzen fallen. Was unüberbrückbar schien, ist gemeinsam lösbar. Das Miteinander steht im Vordergrund der neuen Medienwelt. Wir kommunizieren auf Augenhöhe - egal, ob im analogen oder digitalen Dialog.

Das Interesse für den/ die Gegenüber steht über allem. Man zeigt seine Bereitschaft, eine Beziehung zum Gegenüber aufzubauen. Königskronen, Posten und Ämter leiten keinen Anspruch ab. Einzelne sind nicht mehr "Gott", sondern tauchen in unsere Online-Gemeinschaft ein, die gemeinsam Probleme angeht und an der Welt von Morgen mitgestaltet.

Dabei dürfen mentale Barrieren gerne verschwinden. Die Wurzeln unseres Seins und Schaffens wollen wir nicht ignorieren, sondern sie sind Teil der Indentität eines Jedens/ einer Jeden. Gemeinsam lernen wir, uns in der neuen Welt zurechtzufinden. Wir fallen gelegentlich hin und lassen uns aufhelfen. Vielleicht ließe sich mit dieser Strategie das Kino, die Kirche, der Mittelstand, das öffentlich-rechtliche Fernsehen oder die Politik für den Zeitgeist des Netzwerkens begeistern?

Wer gehört weltweit zu welchem Social Network?

Facebook stößt an Grenzen: Brasilien, China und Russland haben ihre eigenen Social Networks. Afrika hinkt etwas hinterher...

World Map of Social Networks

Montag, 4. Juli 2011

Realisierung einer Tourismus-Webvideo-Werbung-Idee

Im Zuge des weltweiten Siegeszuges des Internets wird und muss sich auch die Werbung im Bereich "Tourismus" wandeln. Mein letzter Paris-Aufenthalt inspirierte mich zu folgendem Gedankengang: Jede und jeder kann über das Internet, die Welt zu sich einladen! Nur wie? Mit Webvideos!

Nehmen wir einmal an, ich sitze als potentielle(r) Tourist(in) zu Hause an meinem Computer und informiere mich via Google und YouTube über mein Reiseziel. Ich gebe das Reiseziel und mein Anliegen in meiner Muttersprache ein und werde fündig - wow!

Wechsel der Perspektive: Ich bin Hotelier und freue mich über jeden in- und ausländischen Gast. Sehr gerne lade ich die Welt zu mir ein. Nur wie?

Der Praxis-Test: Gemeinsam mit dem Hotel Goldener Falke in Heidelberg erprobe ich nun meine Idee in der Praxis und entwickle meine Anfangsidee weiter. In den kommenden Wochen und Monaten werden weitere Filmversionen folgendes Werbefilms folgen:



Lassen wir uns überraschen!