Dienstag, 30. November 2010

Die S21-Schlichtung ist beendet. Der Schlichterspruch gesprochen. Mein Fazit.

1. Eine "Entweder-Oder"-Entscheidung kann ich leider nicht fällen, da sich die S21-Gegner im Rahmen der Schlichtung nicht auf ein (!) "K21"-Konzept einigen konnten. Das von Herrn Arnoldi vorgetragene Konzept wurde in den letzten Schlichtungsrunden immer wieder mit neuen Vorschlägen ergänzt bzw. widersprochen. Die gemeinsame Schnittmenge der diversen "K21"-Konzepte ist der Erhalt des Kopfbahnhofs - alle anderen unterschiedlichen Varianten haben mir kein konsequent durchdachtes "K21"-Konzept dargeboten.

2. Einige S21-Gegner haben sich durchgehend in allen Schlichtungsrunden hauptsächlich mit der Diskreditierung der Sachverständigen, Projektverantwortlichen und Entscheidungträgern beschäftigt, als mit dem Vortragen von Sachargumenten. Die Augenhöhe wurde immer dann verlassen, wenn persönliche Beleidigungen vorgetragen wurden. Menschen, die über andere Menschen in der Öffentlichkeit urteilen, sähen Unfrieden. Ich halte dieses Verhalten von Demokratie-VertreterInnen sehr bedenkenswert!

3. Mir wurden wieder einmal die "Macht der Bilder" vor Augen geführt. Das Bild des "alten" Stuttgarts 18xx ohne Bahngleise und das Bild des "neuen" Stuttgarts 20xx - vorgetragen durch den S21-Architekt Christoph Ingenhoven - haben mir verdeutlicht, dass Stuttgart zurückkehrt zu seinem ursprünglichen Stadtbild inkl. der Reminiszenz an das jetzige Bahnhofsgebäude. Ingenhoven hat es geschafft, das "alte" und "neue" Stuttgart architektonisch wunderbar zu vereinen.

Ich freue mich auf die Vollendung und wünsche den Projektverantwortlichen, dass sie sich ihrer Verantwortung weiterhin gewissenhaft stellen und die Risiken nicht ignorieren. Dann wäre gewährleistet, dass diese bauliche Veränderung Inspiration für nachwachsende Generationen sein kann.

Sonntag, 21. November 2010

"Der primitive Mensch als Vorbild"

"Was ist der Unterschied zwischen einem primitiven und einem ungebildeten Menschen?

Primitive Menschen sind keinesfalls ungebildet, sondern reichen ihr Wissen von Generation zu Generation in einer andere Form weiter. Einer Form, die auf einem stabilen Miteinander beruht.

Im Gegensatz dazu ist eine ungebildete Person das Produkt einer modernen Gesellschaft, deren soziales System ausgehöhlt ist und das Miteinander nicht kennt."

Scheich Yamani (1981)

Freitag, 19. November 2010

7 Fragen nach 25 Stunden "S21-Schlichtung-TV"

Die anstehende Landtagswahl im Jahre 2010 in Baden-Württemberg wurde von oberster politischen Stelle als Volksentscheid über "Stuttgart 21" erhoben.

Nachdem ich nun mehrere Stunden "S21-Schlichtung-TVs" hinter mir habe, bestätigt sich in mir die Erkenntnis, dass ich doch sehr wenig über die immer komplexer werdende Welt bescheid weiß. Fachwissen der Experten und mein Bildungsniveau als Wähler scheinen sehr weit auseinander zu liegen.

„Siehe überall mit deinen Augen. Verunstalte nichts. Wie die Folgerungen fließen, so lass sie fließen. Hemme ihren Strom nicht; lenke ihn nicht.“ - so lautet ein Zitat von Gotthold Ephraim Lessing aus dem 18. Jahrhundert. Mit diesem Zitat im Hinterkopf habe ich mir selbst die Aufgabe gestellt, in "Betrachtung aller Sachargumente", mir mein eigenen Bild zum Themenkomplex "Stuttgart 21" zu machen.

Bei meiner Meinungsbildung stellen sich mir heute folgende grundsätzliche Fragen:
  1. Wie kann Expertenwissen so aufbereitet werden, dass die Bürgerschaft Projektverläufe nachvollziehen kann?
  2. Wie überwinden unsere zu wählenden Volksvertreter/Innen ihre fachliche Wissenskluft?
  3. Lassen sich durch emotionalen - zum Teil unsachlichen - Populismus Wahlen gewinnen?
  4. Haben Stammtisch-Argumente in einer Fachschlichtung ihren Raum?
  5. Wie lässt dich "Frieden stiften", wenn Misstrauen dem Nächsten gegenüber nie ausgeräumt wird?
  6. Besteht "Politik der Gegenwart" lediglich aus rhethorischen Arenen, die auf Selbstdarstellung aus sind und nicht auf dem Abwegen von den bestmöglichen Optionen für das Gemeinwohl inkl. Konsensbereitschaft?
  7. Ist jemand, der gegen etwas ist auch einmal für etwas?
Positiv habe ich zu vermelden, dass ich nach über 25 Stunden "S21-Schlichtung-TVs" nun ein sehr gutes Bild davon habe, über was ich eigentlich abstimmen darf. Meine finale Entscheidung vertage ich allerdings - wie Schlichter Heiner Geißler - auf den 29. November 2010.

Donnerstag, 18. November 2010

3 Tipps zum "Nicht-Langweiligen-Storytelling"

Wer kennt das nicht? Man liest ein Buch, schaut einen Film oder sitzt im Gottesdienst und irgendwann schiebt sich eine Emotionen immer mehr in den Vordergrund: Langeweile! Ebenso manifestiert sich ein einzelner kurzer Satz in der eigenen Gedankenwelt und macht einen taub für den/ die Erzählenden: "Na und?"

Anscheinend hat es der/ die Autor/in, der/ die Regisseur/in oder der/ die Liturg/in nicht geschafft, meine Neugierde zu wecken und den mentalen Entdeckerdrang - verknüpft mit der Frage "Und dann?" - aufrechtzuerhalten.

Rollenwechsel. Wie kann ich mit meinen Geschichten nun das "Nicht-langweilen" fördern? Hierzu einige Tipps:
  1. Ich biete dem/ der Hörenden/ Sehenden Orientierung: Worum geht es? Wo und wann spielt meine Erzählung? Um wen dreht es sich in meiner Geschichte?
  2. Ich bilde einen Handlungsknoten, um den sich die Geschichte dreht und der am Ende aufgelöst wird. Das kann ein innerer Konflikt sein, aber auch ein zu lösendes Problem,
  3. ich baue Brücken innerhalb meiner Geschichte zum Alltag des Publikums, in dem ich z.B. die Moral der Geschichte als Schlussfolgerung nicht unerwähnt lasse.
Bei der Umsetzung dieser Anregungen für zukünftige Projekte soll uns immer bewusst sein, dass sich unser Bauch ebenfalls bei unseren eigenen Geschichten zu Wort meldet. Wir könnten unseren Bauch als Kritiker/in ernst nehmen und bereits im Konstruieren unserer Erzählungen unserem Bauchgefühl vertrauen.

So wird uns zumindest beim Vortragen der eigenen Gedanken selbst nicht langweilig.

Mittwoch, 17. November 2010

"Ich und mein Leben"

"Die Kontinuität der eigenen Biographie wird eher durch die Zuordnung des eigenen Lebens in eine soziale Gruppe als durch eine Verflechtung der erlebten Ereignisse mit der eigene individuellen Entwicklung hergestellt."

aus: Einführung in die Erzähltheorie (8. Auflage)

Sonntag, 14. November 2010

Generationenwechsel erwünscht - deutschlandweit

"Sebastian Vettel wird jüngster Formel-1-Weltmeister aller Zeiten." Tolle Superlative, die heute Mittag Wirklichkeit geworden ist.

Der Weg dorthin soll nicht Thema meines Appells sein. Nein - ich wünsche mir weitere innovative Superlative. Ich wünsche mir einen Generationenwechsel - deutschlandweit!

Wie wäre es z.B. mit dem jüngsten Oberbürgermeister aller Zeiten oder mit dem jüngsten Vorstand aller Zeiten? Und das als Regel - nicht als Superlativ.

"Altes Deutschland" mach bitte Platz für Deine jüngeren Mitmenschen: Unterstütze die nachwachsende Generation durch Schaffung von Freiräumen und begleite diese schließlich bei der Umsetzung der neuartigen Visionen für eine gemeinsame bessere Zukunft.

Das Verlassen von mental festgetretenen Pfaden sollte zur obersten Maxime in der generationenübergreifenden Mobilmachung sein.

Und es kann gelingen - davon bin ich überzeugt!

Montag, 8. November 2010

"Die Welt rückt (digital) zusammen"

„Unser digitaler Planet besitzt die Größe und Form eines Stecknadelkopfes. Zu Beginn des nächsten Jahrtausends werden wir uns in digitalen Nachbarschaften zusammenfinden, in denen der physikalische Raum keine Rolle mehr spielt und in denen Zeit eine ganz andere Bedeutung bekommen hat.“

Nicholas Negroponte in seinem 1995 veröffentlichten Buch: "Total Digital"

Samstag, 6. November 2010

3D-Hype ohne Kinos ?

Was bleibt bei mir hängen vom "3D-Cinema-Workshop" im Münchner ARRI-Kino?

Drehen, Post-Produktion und Home Entertainment inkl. YouTube in 3D - alles (fast) kein Problem. Nur bei den eigentlichen Kathedralen der Filmindustrie - den Kinos - scheint es nicht ganz rund zu laufen.

Sollte sich das Weihnachtsgeschäft in Sachen 3D für Media Markt & Co. so entwickeln wie es erhofft wird, werden Anfang 2011 mehr "Displays" in deutschen Haushalten stehen, als es 3D-fähige Kinos (deutschlandweit ca. 400) gibt.

Und bei den Kinos, die es gibt, wurde uns im Rahmen des Workshops folgende Mängelliste präsentiert:
  • Die Projektoren sind teilweise falsch justiert und zu lichtschwach. In Kombination mit der falschen Leinwand kann es zu einem enormen Qualitätsabfall kommen,
  • die Architektur einiger Kinos lässt 3D gar nicht zu. Es kommt somit nur auf einigen wenigen Sitzplätzen das optimale 3D-Feeling auf. Das Resultat: Kopfschmerzen bei den Betrachtern auf den sub-optimalen Sitzplätzen,
  • es gibt kein einheitliches Brillenformat und - vor allem - keine Brillen für das junge Publikum ab 10 Jahre,
  • es kommt vor, dass die Brille und der Projektor nicht kalibriert sind und somit es zu einer falschen Farbwiedergabe kommen kann.
Die Gefahr, dass der gefundene Mehrwert von Kinobetreibern auf's Spiel gesetzt wird, ist nicht von der Hand zu weisen. Deutsche Filmproduzenten begeben sich somit auf dünnes Eis, wenn das Einspielergebnis in Abhängigkeit von "Nicht-beherrschen-von-Technik" steht.

Ich für meinen Teil werde mich auf "YouTube 3D" stürzen. Das Risiko ist für mich und meine Kunden akzeptabel und vor allem finanzierbar. Und der Zuschauer sitzt an seinem Rechner in optimaler 3D-Position - in der Mitte und in der ersten Reihe!